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Indigene Völker Brasiliens
Unzählige indigene Völker bewohnten schon seit Jahrtausenden
vor allem die Küstenregionen Brasiliens, bis sich ein besonders kriegerischer
Stamm, nach seiner Sprache "Tupi" genannt, hervorhob und allmählich sowohl die
Küste als auch Gebiete entlang der grossen Flüssen einschliesslich des Amazonas
beherrschte. Als die portugiesischen Kolonisatoren um 1500 zum ersten Mal "Land
sahen", gab es etwa so viele Tupi-Indianer wie Einwohner Portugals, etwa 1
Million. Viele Orte, Flüsse, Berge, Strände, Pflanzen, Tiere und Früchte tragen heute
noch indianische Namen, vornehmlich aus der Sprachfamilie Tupi-Guarani.
Tupi-Guarani galt über eine lange Zeit als zweite Amtssprache in
Brasilien.
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Die Tupi-Kultur war hochentwickelt und befand sich bereits im
Übergang von der blossen Jäger- und Fischerexistenz zur einfachen
Agrarwirtschaft mit Landrodungen, Feldbestellungen und vor allem der
Nutzbarmachung der giftigen Maniok-Pflanze. Wenn
auch kriegerische Auseinandersetzungen um bevorzugte Anbau- Jagdgebiete zum
Alltag gehörten, war das soziale Leben innerhalb der 300 bis 2.000 Einwohner
zählenden Dörfer eher von altruistischem Solidargefühl gekennzeichnet und stand
im Einklang mit ihrer pantheistischen Deutung der Natur als grosszügigem Spender
und Geber.
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Zur Zeit des Kautschukbooms um die Jahrhundertwende litt der
Stamm der "Kuliná" besonders unter der Verfolgung durch die Gummibarone und zog
sich immer weiter zurück in das Gebiet des oberen Rio Negro und nach Acre. Etwa
2.500 Angehörige zählt dieser Stamm heute, der sich erfolgreich gegen
Vertreibungsaktionen wehren konnte und seit 1991 die Landvermessung zusammen mit
dem Stamm der "Kaxinawá" selbst in die Hand nahm. Die Besonderheit des Stammes
sind die "Klotzrennen", bei denen Frauen und Männer in zwei Gruppen
gegeneinander antreten und stundenlange Staffelläufe mit bis zu 150 kg schweren
Holzstämmen veranstalten.
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Im Bundesstaat Mato Grosso liegt das 1961
gegründete Reservat Parque Indígena do Xingu. Hier leben 16 Indianerstämme, die
verschiedene Sprachen sprechen und in den vergangenen Jahrhunderten aus anderen
Landesteilen auf der Flucht vor Siedlern einwanderten oder die "Kren-Akrore"
zwangsweise hierher umgesiedelt wurden. Die "Xingu-Völker" haben sich in die neue
Zeit integriert, ohne ihre kulturelle Identität aufzugeben. Sie benutzen
Angelhaken, haben Radios und Fahrräder, handeln mit Holz und Jagdbeute. Bis zur
Mitte des 20. Jahrhundert ging ihre Zahl durch Grippe-, Masern- und Malaria-Epidemien
auf unter 1.000 zurück; nun schätzen die Xinguanos selbst die Reservatsbewohner
auf über 3.500 Personen, die Hälfte davon jünger als 15 Jahre.
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Im
Bundesstaat Mato Grosso do Sul siedeln die "Guarani", die in mehrere Untergruppen
aufgeteilt sind. Sie leiden in den letzten Jahren verstärkt unter dem Druck der
Grossgrundbesitzer, die ihre Reservatsgebiete für sich beanspruchen und von
lokalen Behörden und Richtern Unterstützung erhalten. Immer wieder kommt es zu
Selbstmordaktionen unter den Guarani und der Androhung von kollektivem
Selbstmord als verzweifelte Reaktion auf Vertreibung und Umsiedlungsversuche.
Die zweitgrösste indigene Population in Mato Grosso do Sul ist der Stamm der
"Kaiowa" Die Kaiowa-Ñandeva, mit fast 30.000 Stammesmitgliedern, hatten an der
demokratischen Entwicklung kaum Anteil, sondern wurden zu einer verachteten
Randgruppe der Gesellschaft. Erst in jüngster Zeit entwickelten die Kaiowa ein
neues Selbstbewusstsein: sie nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und fahren
los auf der Suche nach "dem Land ohne Übel".
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Im nördlichen Amazonasgebiet
wurden erst 1976 von Geologen der Stamm der "Zoé" entdeckt. Nachdem durch
Missionstätigkeit 45 Stammesmitglieder an Grippe starben, gegen die die Zoé
keine Abwehrkräfte besitzen, zählen sie heute nur noch rund 150 Mitglieder. Bei
ihrer Entdeckung gingen sie noch völlig unbekleidet; Frauen und Männer tragen
teilweise noch hölzerne Lippenpflöcke, die bis zu 15cm lang und 4cm breit
sind.
Nördlich von Manaus
leben die "Waimiri-Atroari", die 1968 infolge von Strassenbau und damit
einhergehenden Epidemien und Übergriffen der Militärs innerhalb von nur sieben
Monaten von 3.000 auf 1.000 Stammesmitglieder reduziert wurden. Als man 1987 den
Balbina-Stausee flutete, siedelte man die letzten 300 Waimiri-Atroari um.
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Die grösste noch autochthone Volksgruppe des südamerikanischen
Tieflandes, die "Yanomami", besiedeln den Urwald des
südlichen Venezuela und des nordöstlichen Brasiliens. Sie sind von sehr kleiner
Statur, die Männer werden kaum grösser als 160 cm. Ihr einziger "Reichtum" sind
Frauen, ein erfolgreicher Jäger kann mehrere haben. Viele Männer haben gar
keine, es kommt auch vor, dass sich Brüder eine Frau teilen. Die Knaben erzieht
man von früher Jugend an zur Aggressivität, Frauenraub ist oft der Hauptgrund
für Stammesfehden.
Die "Prakana" siedelte man innerhalb von 20 Jahren
elfmal um, letztlich in ein viel zu kleines Reservat. Nordamerikanische
Missionare diverser Evangelisten-Sekten betreiben ihr bigottes Geschäft im
Amazonas und studieren die seltensten Sprachen, um die "armen Wilden" in ihrem
eigenen Idiom in der Bibelkunde unterweisen zu können. Die "Wai-Wai" sind eine
"Entdeckung" der Missionare. Nun können sie den Brief des Apostels Paulus an die
Korinther in ihrer eigenen Sprache lesen, doch wird ihnen das ihr Seelenheil
bringen?
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Tel. +49 (0) 23 04 95 37 87
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