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Xavantes - Mato Grosso
Xavantes - Dorf Aldeia Etenhiritipa Die Xavantes-Indianer sind ein indigenes Volk in Brasilien und leben im Osten des Bundesstaates Mato Grosso. In ihren Reservaten leben etwa 8500 Einwohner. Sie Sprache heisst Xavantes, die zur Familiensprache der Gé und Jé gehört.
Die Xavantes-Indianer wurden im 17. Jahrhundert verskalvt und wollten die Kontaktaufnahme zu den Weißen verhindern. Im 19. Jahrhundert zogen sie sich dann von Goiás nach Mato Grosso in der Nähe des Rio Mortes zurück. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden sie wiederentdeckt. Von 1946 bis 1957 wurden sie das nationale Integrationsprogramm gezwungen und durch Massaker und Zivilisationskrankheiten stark dezimiert. Die Xavantes-Indianer sind den Weißen gegenüber sehr misstrauisch und auch heute noch sehr zurückhaltend im Umgang mit Fremden, die sie "waradzu" nennen.
Die Xavante haben den Ruf, sehr aggressiv und stolz zu sein. Doch
ihr berühmtestes Attribut ist ihre Sozialstruktur. Es
existieren zwei Clans, die Âwawẽ und die Po'reza'õno. Heirat innerhalb
eines Clans ist verboten. Ein Beispiel für die Beziehungen der beiden
Clans sind die traditionellen Baumstammrennen, in denen es darum geht,
80 Kilogramm schwere Palmen-Stümpfe an einen bestimmten Ort zu
befördern.
Die Xavante sind auch für ihre komplizierten Initiationsriten für
junge Männer bekannt. Den angehenden Männern werden im Alter von 14
Jahren kleine Holzstöcke durch die Ohrläppchen gestochen. Diese
Stöckchen werden bis zu Lebensende immer größer.
Die
Xavante von Mato Grosso, die sich selbst als “A’we“ bezeichnen, bilden
mit
den Xerente von Tocantins die zentrale Gesellschaft der linguistischen
Jê-Familie.
Name und SpracheDie Xerente nennen sich selbst “Akwe” und bilden mit den Xavante (die sich
selbst “A’we” nennen) die zentrale Gesellschaft der linguistischen Familie Jê.
Die “Xacriabá”, gegenwärtig in Minas Gerais ansässig und die “Acroá”
(ausgerottet), gehören sprachlich und kulturell ebenfalls zu dieser Gruppe. Mit
aller Wahrscheinlichkeit wurde ihnen der Terminus “Xerente” von Nicht-Indianern
verliehen, um sie von den übrigen “Akwe” zu differenzieren, besonders von den
Xavante.
Xerente und Xavante sprechen Dialekte derselben Sprache, die zu
denen der Familie Jê gehört. Die Xerente haben sie in all ihrer Vitalität
bewahrt. Kinder sprechen bis zum fünften Lebensjahr nur ihre eingeborene
Muttersprache. Die Erwachsenen gebrauchen sie bei allen Gelegenheiten innerhalb
des täglichen Lebens im Dorf. Wenn sie mit Nicht-Indianern reden, sprechen sie
flüssig Portugiesisch.
Geschichte und ErstkontaktEs gibt ein paar mündlich überlieferte Berichte der Indianer, nach denen die
“Akwe” vor undenkbarer Zeit in der Nähe des Meeres gelebt haben sollen. Hingegen
verlegen die ersten schriftlichen Dokumentationen den Erstkontakt zwischen den
“Akwe” und nicht-indianischen Personen ins 17. Jahrhundert, als sich
Jesuiten-Missionen und Kolonisatoren (Bandeirantes) dem brasilianischen
Mittelwesten näherten.
Im 18. Jahrhundert, nach der Entdeckung von
Goldminen, verdichtete sich die Kolonisation dereingeborenen Territorien, welche
sich im Einzugsgebiet der damaligen “Capitania de Goiás” befanden. Zwischen 1750
und 1790 legte man die ersten Eingeborenen-Siedlungen an, die von der Krone
finanziert wurden. Mit der “Befriedung” der diversen Indianerstämme in diesem
Gebiet wollte man seine Öffnung für die wirtschaftlichen Interessen der Krone
erreichen. Ein Teil der “Akwe” (Xavante, Xerente, Acroá, Xacriabá), sowie die
Javaé und Karajá, unter anderen, liessen sich eine gewisse Zeit lang in diesen
Siedlungen nieder (Duro, Formiga und Pedro III – auch bekannt unter dem Namen
“Carretão”) – revoltierten aber schliesslich und flohen in weniger bevölkerte
Gebiete, im Norden der Capitania.
Im zweiten Jahrzehnt des 19.
Jahrhunderts richtet die Provinzregierung Militär-Festungen in der Nordregion
ein, die von Xavante und Xerente bewohnt war, in der Absicht, die Schiffahrt auf
dem Rio Araguaia zu sichern. Der Widerstand der Indianer ging weiter, mit
Attacken auf jenbe Festungen und auf Siedlungen von Nicht-Indianern. Deshalb
trieb man neue Versuche voran, besonders die “Akwe” in Siedlungen unter
Kontrolle zu bekommen – diesmal setzte man auf die Befriedungskunst der
Kapuziner-Pater – hinter denen allerdings die Militärpräsenz der Regierung für
Nachdruck sorgen sollte. In einer dieser Siedlungen, genannt “Teresa Cristina”,
heute im Distrikt von “Tocantínia”, zählte Frei Raffael de Taggia (1851) mehr
als 3.000 Xavante und Xerente. Nach der wahrscheinlichsten These geschah die
definitive Trennung dieser beiden Akwe-Gruppen gegen Ende des 19. Jahrhunderts:
die Xavante wanderten in den Cerrado von Mato Grosso aus – in der Nähe des Rio
das Mortes – während die Xerente an den Ufern des Rio Tocantins
verblieben.
Das 20. Jahrhundert brachte den Xerente grosse existenzielle
Probleme mit der Invasion ihres restlichen Territoriums, das ihnen von ihrem
traditionellen, ehemaligen Wohngebiet geblieben war, durch Landbesetzer und
Viehzüchter. Der SPI (Serviço de Proteção aos Índios) errichtete erst im Jahr
1940 zwei Indianerschutz-Posten – nachdem die Regierung von Berichten des
Ethnologen Curt Nimuendajú aufgescheucht worden war, in denen dieser die
schrecklichen Lebensumstände der Xerente anprangerte. Zu dieser Zeit kam auch
eine Baptisten-Mission in der Region an, welche bis zum heutigen Tag unter den
Xerente wirkt. Dokumente, welche die Sorge der Regierung hinsichtlich einer
Demarkation des Xerente-Gebiets ausdrücken, datieren vom Ende der 50er
Jahre.
Endlich 1972, nach mehr als 200 Jahren eines bedrückten und
konfliktreichen Zusammenlebens mit diversen nicht-indianischen Segmenten – die
Tote auf beiden Seiten zur Folge hatten – gewannen die Xerente ihre erste
bürokratische Schlacht mit einem demarkierten Territorium, das in den Analen der
FUNAI als “Área Grande” (Grosses Areal) eingegangen ist. Weitere 20 Jahre mit
grossen Anstrengungen waren nötig, bis ihnen der Zuspruch des zweiten
Indianer-Territoriums “IT Funil” gelang.
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Überlebenstechniken
Die Xerente nutzten den Cerrado (Savanne) durch die Jagd und das Sammeln von
wilden Früchten – mittels einer Feldbearbeitung rundeten sie ihr existenzielles
Programm ab. Besonders die Weite ihres traditionellen Territoriums garantierte
ihnen stets ein ausreichendes Angebot zur Erhaltung und Reproduktion ihrer
Gesellschaft. Es ist nicht von ungefähr, dass die maskuline Identität der
Xerente direkt mit “einem guten Jäger” und “guten Läufer” verbunden ist. Die
Aktivitäten der Jagd, des Fischens und des Sammelns, wie auch die des Ackerbaus,
sind verwoben mit den Kenntnissen, welche die Xerente hinsichtlich der Natur
besitzen, ihren Kräften und ihren Grenzen.
Der Aktivitätenzyklus, welcher
der Feldarbeit gewidmet ist, unterteilt sich in die Trockenperiode – von ihnen
als “Sommer” bezeichnet – und die Regenperiode – den “Winter”. Die erste
betrifft die Monate Mai bis September, und die zweite Oktober bis April. Die
Felder befinden sich zum grössten Teil im Umkreis der Dörfer, in der Nähe von
Bachläufen und Galeriewäldern. Eine andere Art von Feld wird am Ufer des Rio
Tocantins angelegt, entlang der westlichen Grenze ihres Territoriums, über fast
12 km Länge. Der Prozess zur Bearbeitung der Mehrheit der Felder (Rodung,
Abbrennen, Umgraben, Pflanzen und Ernten) wird vom Kollektiv einer bestimmten
Wohngemeinschaft vorgenommen (Vater, unverheiratete Söhne, verheiratete Töchter
und Schwiegersöhne), und in einigen Dörfern organisiert man grössere Felder, die
von verschiedenen Wohngemeinschaften gemeinsambearbeitet werden. Im ersten Fall
wird die Feldproduktion unter den Mitgliedern einer Wohngemeinschaft verteilt –
im zweiten unter den Bewohnern des gesamten Dorfes.
Andere für die
Ernährung wichtige Komponenten, wie Honig, Früchte und diverse Wurzeln, findet
man durch Sammeln – eine wichtige Tätigkeit, mittels der man auch die
Heilpflanzen aufspürt. Der Fisch, einst eine bedeutende Nahrungsquelle im Leben
der Xerente, hat im Lauf der Jahre an Quantität in ihrem Wohngebiet gewaltige
Einbussen hinnehmen müssen, Schuld daran sind die Auswirkungen grosser
Industrieprojekte (Staudämme, Hydroelektrische Einrichtungen) am Rio Tocantins.
Auch der Bestand jagdbarer Tiere ist konstant zurück gegangen, Schuld daran sind
ist die zunehmende illegale Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch
Nicht-Indianer.
Im Gegenzug haben haben sich die Xerente neue
Einnahmequellen aufgebaut. Die Konfektion und der Verkauf von Kunsthandwerk –
Körbe, Keulen, Pfeile und Bogen, Ketten etc. – sind, obwohl schlecht bezahlt von
den regionalen Kunden, eine der bedeutendsten Aktivitäten der Gruppe, denn die
benutzten Rohmaterialien (Buriti-Fasern, Samen vom Schneidgras, Stroh von
Kokospalmen etc.) sind ihrer Gesamtbevölkerung leicht zugänglich. Einige
Wohngemeinschaften bekommen auch finanzielle Mittel aus den Lohngeldern ihrer
Mitglieder in einer Anstellung bei der FUNAI (als Bootspilot oder
Posten-Helfer), beim Staat (als eingeborene Lehrer oder Sanitäter), oder aus
einer Rente der älteren Mitglieder.
Gesellschaftliche OrganisationStudien der Jê-Völker weisen als ihre grundsätzliche Charakteristik das
Zusammenspiel eines einfachen technologischen Systems – angepasst an die
ambientalen Bedingungen – mit einem extrem komplexen kulturgesellschaftlichen
System aus. Diese Systeme organisieren sich mittels eines strukturellen
Dualismus, der sich in einer Vielfalt von “Hälften” in den Aktionen der
Gesellschaft ausdrückt. Im Fall der Xerente erkennt man diesen Dualismus in
ihren Ritualen, maskulinen Zeremonien, Namensgebung, Altersklassen, sportlichen
Gruppierungen etc., die alle innerhalb von verwandtschaftlichen Beziehungen
organisiert werden. Die Basis dieser Ordnung gründet auf zwei
sozio-kosmologischen Hälften: “Doí” und “Wahirê” – assoziiert, in derselben
Reihenfolge, mit Sonne und Mond, den mythologischen Helden und Gründern der
Xerente-Gesellschaft. Auch der Jaguar (Huku) hat seinen Platz in der
Xerente-Mythologie, er hat ihnen den Gebrauch des Feuers beigebracht.
Die “Hälfte” der “Doí” besteht aus den Clans Kuzaptedkwá ("die Herren
des Feuers"), Kbazitdkwá ("die Herren der Baumwolle") und Kritóitdkwa ("die
Herren des Spiels mit der gebratenen Kartoffel" oder "Herren des Gummis"). Die
andere « Hälfte » der « Wahirê » besteht aus den Clans der Krozaké, Kreprehí und
Wahirê – letzterer trägt denselben Namen wie seine « Hälfte ». Diese beiden
Hälften und ihre dazugehörigen Clans unterhalten miteinander ein Netz von
gegenseitigen Verpflichtungen und Gegenleistungen. Beide Hälften mit ihren sechs
Clans und den Linien, aus denen sie stammen, sind patrilinear, das heisst,
ergänzen sich vom Vater auf den Sohn, vom Grossvater väterlicherseits auf den
Enkel oder Urenkel. Jeder Xerente-Clan besitzt eine Anzahl von Eigennamen,
welche von Geneation zu Generation weitergegeben werden, verantwortlich für die
Identifikation und Unterscheidung der einzelnen Individuen innerhalb ihrer
gesellschaftlichen Organisation.
Ein anderer fundmentaler Organismus zur
Identifikation und Ortung der Xerente innerhalb ihres sozio-kulturellen
Universums ist, auf eine weitläufigere Art, ihre Körperbemalung. Ihr liegen zwei
basische Bildmotive zugrunde, welche diese Form der Identifikation bestimmen:
die Linie, sie gibt an, dass die von ihr markierten Individuen einem der
Wahirê-Clans angehören – und der Kreis, er bezeichnet den Träger als dem
Doí-Clan zugehörig. Die Erwachsenen bemalen ihre Körper nur zu zeremoniellen
Anlässen. Die Kinder dagegen, werden täglich bemalt. Bemalungen der Erwachsenen
können mit den verschiedensten Sphären gesellschaftlicher und ritueller
Organisation zusammenhängen: mit Altersklassen, zeremoniellen Parteien,
sportlichen Wettkampfgruppen, Eheschliessungen, Beerdigungen etc. Die
Grundfarben der Körperbemalung werden aus den folgenden Elementen gewonnen:
Holzkohle gemischt mit Saft vom “Pau-de-leite” ergibt ein tiefes Blauschwarz,
Samen der Urucum-Kapsel ergeben das Rot und Weiss wird mit Flaumfedern oder
Baumwolle ergänzt. Vor der Bemalung werden die Körper mit Babaçu-Öl eingerieben
(grundiert). Die Details – Kreis oder Linie – werden als “Stempel” aus dem Mark
der Buriti-Palme angefertigt und dann in regelmässiger Folge auf die Haut
gedrückt.
In ihren berühmten Wettläufen mit Buriti-Palmstämmen (schon
beschrieben im Text über die “KRAHÔ”), mit denen die Xerente ebenfalls die
Dualität ihrer Gesellschaft betonen, trägt der Vordermann jedes gegnerischen
Teams – “Steromkwá” und “Htamhã” – das Stück eines Palmenstammes auf seinen
Schultern – beschnitzt und bemalt mit Motiven und Mustern, die mit der Anaconda
und der Schildkröte in Zusammenhang stehen. Eine der Aufgaben der Schamanen ist
es, die von der Rinde befreiten Stämme zu bemalen und damit den Schutz der
Waldgeister zu beschwören. Dieser Wettlauf gehört zu den bevorzugten Sportarten
der Xerente-Männer und wird heutzutage nur noch von einem gemeinsamen
Fussballspiel übertroffen – natürlich das Team der einen gegen das der anderen
“Hälfte”.
Die Vision vom Kosmos der Xerente hängt direkt mit den
verschiedenen Elementen zusammen, aus denen ihre Umwelt besteht. Mit den
verschiedenen auf sie eindrängenden Prozessen der Evangelisation durch
Missionare – Katholiken wie Protestanten – haben sie verschiedene Werte dieser
Religionen aufgenommen oder angewendet, ohne jedoch von ihren eigenen
abzurücken. Beweis dafür ist die aktive Teilnahme der Schamanen am
gesellschaftlichen und politischen Leben der Gruppe.
Ausser drei
besonders grossen Dörfern, die sich gegenwärtig auf mehr als 150 Bewohnern pro
Dorf belaufen, bestehen die anderen Dörfer in der Regel aus zwischen 10 und 50
Personen. Die Regel der Wohngemeinschaft ist uxorilokal, das heisst, der
Schwiegersohn wohnt im Dorf (oder dem residenziellen Segment) des
Schwiegervaters. Im Allgemeinen machen die Xerente keine Einschränkungen bei
interethnischen Verbindungen – zwischen nicht-indianischen Frauen und
Xerente-Männern – aber sie genehmigen nur in Ausnahmefällen eine Verbindung des
umgekehrten Typs. Alle Nicht-Indianer, die mit Xerente-Angehörigen verheiratet
sind, werden im Netz der Verwandtschaft integriert und nehmen folglich auch am
zeremoniellen und politischen System der Gruppe teil, innerhalb dessen ihnen
Rechte und Pflichten gegenüber den Anderen erwachsen.
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PolitikDie politischen Relationen – sie drücken sich in Ritualen, in der Körperbemalung
und, ganz besonders, in einem intensiven Parteigeist aus – gründen auf einer
Reihe von Verpflichtungen und Rechten, welche von den verwandtschaftlichen
Verbindungen bestimmt werden. Sie orientieren sich ebenfalls an Artikulationen
der einzelnen Fraktionen mit diversen nicht-indianischen Vertretern, die in der
Region anwesend sind (Conselho Indígena Missionário, Procuradoria da República,
Governo do Estado, Prefeitura Municipal, FUNAI, Missão Batista, etc). Die
Fraktionen der Xerente – Gruppierungen von Individuen (blutsverwandt und
eingeheiratet), welche einen (oder mehr) ihrer Führer unterstützen – leben in
kontinuierlichem Wettbewerb um die politische Herrschaft eines jeden einzelnen
Dorfes, wie auch um die Kommunikation und Artikulation mit den
nicht-indianischen Agenten. Eine solche Dynamik bringt Parteien hervor, lässt
die Zahl der Dörfer und ihrer Führer anwachsen, und in Konsequenz dessen
entstehen auch neue politische, soziale und zeremonielle Organisationen. Damit
man sich ein Bild von diesem Dynamismus der Xerente machen kann: bis 1988 gab es
neun Xerente-Dörfer. Heute sind es 33. Allerdings führen solche Veränderungen
weder notwendigerweise zu einer Auflösung der verwandtschaftlichen Bande, noch
bringen sie die interne Einheit der Gruppe in Gefahr. Die politischen Rollen des
höchsten Respekts sind die des Häuptlings, des Schamanen und des Mitglieds des
Ältestenrats (Wawes).
Neuartige Formen politischer Führung sind
allerdings dabei, auch unter den Xerente eine respektable Stellung einzunehmen –
wie zum Beispiel die Direktoren einer Vereinigung oder die Lehrer in einer
Schule. Die Xerente haben auch einen istitutionellen Politiker hervorgebracht,
einen Stadtverordneten in der “Câmara Municipal de Tocantínia”, während der
Legislaturperiode von 1992 bis 1996. Ohne politische Erfahrung und durch lokalen
anti-indianischen Druck, distanzierte sich der gewählte Stadtverordnete immer
mehr von seinem eigenen Volk – welches anfing, seine diesbezügliche Initiative
zu bereuen. Trotzdem, bei den Distriktswahlen 1996 fehlten nur ganz wenige
Stimmen, um zwei Kandidaten der Xerente in die Stadtverordnetenversammlung von
Tocantinia zu befördern. Die Xerente-Wähler, mehr als 600 (Männer und Frauen),
sind von entscheidender Bedeutung in der lokalen Parteiszene. Es gibt
Denunzierugen von seiten der eingeborenen Führung, dass der Wahlprozess (die
Wahl selbst und vor allem die Auszählung) zum Nachteil der Indianer manipuliert
wird. Und es gibt eine allgemeine Befürchtung unter den nicht-indianischen
Bewohnern von Tocantinia – vorerst noch scherzhaft ausgedrückt – dass dieser
Distrikt, eingeschlossen vom Indianer-Territorium der Xerente, sich zum “Ersten
Indianischen Distrikt Brasiliens” entwickeln könnte.
Die erste direkte
Erfahrung der Xerente mit der Bildung einer Eingeborenen-Organisation – der
Gründung und Funktion der “Associação Indígena Xerente” (AIX), von 1992 bis 1995
– bekam die politische und wirtschaftliche Unterstützung der lokalen CIMI und
die Partnerschaft einer NGO aus Luxemburg, der “Bridderlech Deelen”. Während
ihres fast vierjährigen Bestehens führte die Organisation eine Reihe von
wirtschaftlichen Projekten durch, welche sämtliche Dörfer einbezogen, eine
Tatsache, welche zum ersten Mal den Anfang einer Autonomie der Xerente,
gegenüber dem komplizierten Netz lokaler wirtschaftlicher und politischer
Verbindungen, erkennen liess. Die Organisation schloss ihre Türen wieder Ende
1995. Verschiedene Xerente-Führer bestätigen, dass das Ende der AIX durch
lokalen politischen Druck herbeigführt wurde. Ab 1998 gründeten die Xerente,
jetzt schon ein bisschen erfahrener hinsichtlich einer solchen Form der
Organisation, gleich drei neue Eingeborenen-Organisationen, wobei sie in einer
jeden bestimmte Dörfer der jeweils näheren Umgebung als ihren Kern
zusammenfassten – dabei beachteten sie politische, verwandtschaftliche,
zeremonielle und räumliche Aspekte.
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Gesundheit und ErziehungDie Xerente/Xavante präsentieren sich in einem derzeit überdurchschnittlich
guten Gesundheitszustand, verglichen mit der so oft prekären Situation
verschiedener anderer Eingeborenenvölker in Brasilien. Sie glänzen mit einer
Geburtenrate von um die 4 %, weit über dem nationalen Mittelwert. Krankheiten,
wie Malaria und Gelbfieber, verantwortlich für einen drastischen Rückgang ihrer
Bevölkerung in den 60er Jahren, sind gegenwärtig unter ausgerottet. Heutzutage
kommen unter den Xerente Verminosen vor, Grippe, Desinterie, Bronchitis,
Lungenentzündung, Rheumatismus, Conjuntivitis und Mandelentzündung. In den
beiden Orten, welche von den Xerente am meisten besucht werden, Miracema und
Tocantínia, gibt es Aufzeichnungen von AIDS-Fällen unter den Nicht-Indianern,
eine Gefahr, die man mit Sorge beobachten muss, denn Flirts und interethnische
Verbindungen sind häufig. Ein schweres Problem, welches in den meisten Fällen
einen Teil der erwachsenen Xerente-Männer betrifft, ist die Alkoholsucht, die,
ausser moralischen Schäden, den Organismus schwächt und ihn für Krankheiten
empfänglicher macht. Medizinische Vorsorge und Assistenz wird den Indianern
sowohl in ihren Dörfern als auch in den näheren Ortschaften gewährt. In den
Dörfern agieren die eingeborenen Sanitäter, die eine entsprechende Ausbildung
genossen haben – finanziert von einem Zusammenschluss zwischen FUNAI, Präfektur
von Tocantinia und der Staatsregierung. In den Städten können die Xerente einen
Posten des “Sistema Unificado de Saúde (SUS)” aufsuchen, eingerichtet von der
Landesregierung, in Miracema steht ihnen das Hospital zur Verfügung und
schliesslich noch das Ärzte-Team der FUNAI im “Casa do Índio” im Distrikt von
Gurupi.
Die Xerente haben diverse Erziehungsversuche hinter sich: die
Evangelisierung der Kapuziner (in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) und
der Dominikaner (in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts). Ihre
Zweisprachigkeit wurde von den Baptisten-Missionaren gesponsert (ab der 50er
Jahre). In jüngerer Zeit (80er Jahre) wurden ihnen verschiedene
Gelegenheits-Unterstützungen von Seiten unterschiedlicher nicht-indianischer
Organisationen angeboten – von den Missionaren des CIMI, der FUNAI,
Anthropologen, der Regierung von Tocantins, der Universidade Federal de Goiás).
Der formelle Schulunterricht in den Dörfern, abgehalten von zirka 30
eingeborenen Lehrern beider Geschlechter (einer in fast jedem Dorf), beschränkt
sich allerdings auf die 1. bis 4. Klasse der Grundschule. Danach wird eine
Fortführung des Unterrichts etwas schwieriger, wegen des Transports und der
Anpassung an die Anforderungen der nicht-indianischen Schulen, die sich mit
gymnasialen Graden in Miracema und Tocantinia befinden. Trotz solcher Probleme
ist es einigen Xerente gelungen, einen Gymnasialabschluss zu machen – auch
technische Kurse mit dem Ingenieur abzuschliessen oder in Unternehmensführung
oder Buchhaltung abzuschliessen. Eine weitere Möglichkeitist die
Landwirtschaftsschule in einem Internat in Catalão (Bundesstaat Goiás).
Gegenwärtig befinden sich zwei Xerente in staatlichen Fakultäten, sie studieren
Agraringenieur und Betriebswirtschaft.
Andere Namen: Akwe,
A´uwe Sprache: aus der linguistischen Familie
Jê Population: 13.303 (2007) Region:
Serra do Roncador, im Bundesstaat Mato Grosso
Quelle: Brasilienportal
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