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Gut zu wissen ...

Die Fauna



Die Fauna des Pantanal besteht aus unzähligen Spezies. Einige sind auch in den benachbarten Ökosystemen vertreten (im Cerrado und im Amazonas), andere sind endemisch und kommen exklusiv im Pantanal vor. Das herausragende Symbol der pantanalensischen Fauna ist der "Tuiuiú-Storch" - auch "Jabirú" genannt - ein gigantischer Vogel, der die Aufmerksamkeit des Besuchers sowohl durch seine Grösse als auch durch seine Farben Weiss, Schwarz und Rot auf sich lenkt. Eine andere Tierart, die ebenfalls unmittelbar von diesem besonderen Ökosystem abhängig ist, ist der Brillenkaiman (Jacaré-de-papo-amarelo), häufig im gesamten Pantanal und leicht zu entdecken, wenn er ein Sonnenbad am Fluss- oder Seeufer nimmt - in der Regel innerhalb zahlreicher Artgenossen.

. . . ein scharfes Auge, eine Taschenlampe für die nächtlichen Abenteuer und ein Fernglas für die Beobachtungen bei Tag - das ist alles, was man braucht, um unwahrscheinlich interessante Eindrücke aus diesem Tierparadies einzufangen. Trockenheit oder Überschwemmungszeit? Egal wann! Die reiche lokale Fauna erlaubt Begegnungen mit Tieren an jeder Stelle und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wer schon einmal davon gehört hat, dass man die Tiere in der Trockenzeit konzentriert um die Lagunen herum vorfindet, dem sei gesagt, dass man solche Tierkonzentra-tionen auch während der Überschwemmung auf dem höher gelegenen Festland beobachten kann. Und wenn man einen Bootsausflug macht, in der trockenen Zeit, sollte man die Ufer nach wassertrinkenden Tieren absuchen.

Säugetiere
Verschiedene Arten leben im Pantanal. Einige bevorzugen die Nähe des Wassers - wie zum Beispiel das Capivara (Wasserschwein) und der Pantanal-Hirsch - andere leben direkt im Wasser, wie der Flussotter (Ariranha) und es gibt auch Arten, die grundsätzlich nur in höher gelegenen Regionen, auch ohne Wasserläufe, anzutreffen sind, wie der Ameisenbär (Tamanduá) oder der Veado-Campeiro (Hirschart, welche die trockenen Campos bevorzugt). Das bekannteste und gefürchtetste Säugetier ist der gefleckte Jaguar (Onça Pintada). Ein erfolgreicher Jäger, dessen Überlebenschancen nicht allzu gut stehen, weil er von den Farmern des Pantanal immer noch verfolgt wird. Die vom Menschen in dieser Region eingeleitete Verdrängung seiner natürlichen Beutetiere, hat den Jaguar auf das Schlagen von Rindern, besonders Kälbern, spezialisiert - und dies wiederum eine gnadenlose Verfolgung ausgelöst.

Vögel
Die grossen Wasservögel ziehen die Aufmerksamkeit des Pantanal-Besuchers zuerst auf sich. Reiher (Garças), Schlangenhalsvögel (Biguás), Störche (Jabirús) und (Cabeça Secas) fallen zuerst auf. Die Nester der "Jabirú-Störche" entsprechen der Grösse ihrer Bewohner: riesige verflochtene Äste - ein Durchmesser von 2 Metern in der Regel - in schwindelnder Höhe eines alten Baumes, der den Eltern und ihren Jungen als Wohnung dient. Im Allgemeinen wird derselbe Baum über mehrere Jahre vom gleichen Storchenpaar als Wohnung benutzt. Neben den erwähnten Wasservögeln sind es besonders die bunten Aras und Papageien-Arten, welche die Region besonders für Vogelliebhaber interessant machen.

Die Araras Azuls (Hyazyinth-Aras) zum Beispiel, sind in anderen Gegenden Brasiliens fast ausgestorben, können aber im Pantanal regelmässig beobachtet werden. Die "Anhumas" fallen auf durch ihre besonders schrillen Warnrufe, mit denen sie der gesamten Fauna signalisieren, wenn sich in ihrer Umgebung eine verdächtige Bewegung bemerkbar macht. Aus diesem Grund nennt man sie auch die "Schildwachen des Pantanal". Die Vielfalt der Vögel im Pantanal ist ausserordentlich - mehr als 690 verschiedene Arten von grossen und kleinen, bunten und lärmenden Vertretern der Vogelwelt kann man hier begegnen - auf jeden Fall ein herrliches Spektakel. 

Reptilien
Auf den ersten Blick können Kaimane und Anacondas den Besucher wohl erschrecken, aber sie entzücken durchaus, wenn man ihnen ein bisschen länger zuschaut. Als Beutemacher der obersten Ernährungskategorie, sind sie sehr wichtig für das Gleichgewicht in der Pantanal-Fauna. Die Jagdmethode der Anaconda-Riesenschlange ist besonders interessant; sie umschlingt ihre Beute derart, dass der Tod durch Ersticken eintritt. Cágados (Landschildkröten), Jiboias (Boa Constrictor), Jararácas (Puffottern) und Lagartos (Eidechsen) - wie Tejús, Iguanas und die Víbora-do-Pantanal - können den Weg des Besuchers kreuzen - letztere kann eine Körperlänge von 1,5 Metern erreichen. Aber sie ist kein aggressives Tier und, trotz des gefährlichen Namens, ist sie nicht giftig und flüchtet stets, wenn sie sich bedroht fühlt.

 

Amphibien und Wirbellose
Frösche und Kröten sind besonders zahlreich, durch die grossen Wassermengen in dieser Region. Und die Gruppe der Insekten fällt dem Besucher besonders durch ihre Farben und Formen auf: zerbrechlich erscheinende, wie filigrane Libellen (Libelulas), exotische Schmetterlinge (Borboletas), riesige Nachtfalter (Mari- posas), Ameisen (Formigas) in verschiedenen Grössen. Eine Unzahl blutsaugender Moskitos und anderer stechender Insekten, machen dem unvorbereiteten Besucher allerdings manchmal das Leben schwer. Muscheln, wie zum Beispiel die Caramujo-Aruá, beliebte Speise der Kaimane und besonders des Gavião-Caramujeiro (Muscheln fressende Falkenart), findet man im Überfluss an den Seeufern. Ihre rosafarbenen Ei-Ketten sind an die Stengel der Wasserpflanzen geklebt.


Kaimane
Im Verlauf von Jahrzehnten wurden im Pantanal Millionen von Jacarés (Kaimane) getötet, um deren Häute an die Fabrikanten von Taschen, Schuhen, Gürteln und anderen Leder-Produkten zu verkaufen. Während der Nacht treiben diese Tiere im seichten Wasser, nur ihre hervorstehenden Augenwölbungen und Nasenöffnungen ragen über die Wasseroberfläche. Wenn man den Lampenstrahl auf sie richtet, reflektieren ihre Augen den Lichtstrahl feuerrot - wie die Rücklichter eines bremsenden Autos - dadurch entdeckt man sie sofort. Ein geübter Jäger kann sie also sehr leicht abschiessen oder mit einer Harpune aufspiessen. Damals fielen jenen Häute-Jägern, die nachts aus dem Nachbarstaat Paraguay ins brasilianische Pantanal eindrangen, Hunderte dieser Tiere in wenigen Stunden zum Opfer, von denen sie lediglich die der Sonne nicht ausgesetzte Bauchseite herausschnitten - als wertvollsten Hautteil - die vielen Kadaver liessen sie für die Geier zurück. Das brasilianische Militär musste schliesslich eingesetzt werden, um dieser Abschlachterei ein Ende zu machen.

Heute ist dieses Problem endlich gelöst. Darüber hinaus hat das Brasilianische Institut für Umwelt (IBAMA) die Genehmigung zur Züchtung von Kaimanen in Gehegen erteilt. Jetzt können sowohl ihr Fleisch als auch ihre Häute - mit Züchtungs-Zertifikat - in den Handel gebracht werden.
Solange es allerdings Abnehmer für Produkte gibt, die von Wildtieren stammen, solange wird es auch Jäger geben, die solche Tiere abschiessen. Eine Möglichkeit, solche illegale Jagd und den entsprechenden Handel mit lebenden Tieren oder deren Körperteilen, Fellen, Federn oder Häuten zu unterbinden, besteht darin, sie den Behörden zu melden. Hier die Homepage zur Kontaktaufnahme: www.renctas.org

Piranhas
Viele Leute glauben, dass diese Raubfische einfach so Personen angreifen, um sie dann mit ihren spitzen Zähnen zu zerstückeln und zu verschlingen. In Wirklichkeit ist "Piranha" ein genetischer Name für verschiedene fleischfressende Spezies des Süsswassers, welche normaler- weise in seichten und ruhigen Gewässern leben, unterhalb der aquatischen Vegetation. Sie greifen kaum grössere Tiere an, es sei denn, sie bluten aus offenen Wunden oder dringen in ihr Territorium ein. Extrem gefrässig, können sie in einem solchen Fall auch ein grosses Beutetier in wenigen Minuten zerfleischen, denn sie stürzen sich dann in grossen Konzentrationen auf die ahnungslose Beute.

Man sollte grundsätzlich in stehenden Gewässern des Pantanal nicht baden - nur in Flüssen, von einer Sandbank aus, und sich dort im seichteren Wasser abkühlen - ohne im tieferen Wasser zu schwimmen! Denn es ist schwierig zu sagen, an welchen Stellen sich die Piranhas in grossen Konzentrationen aufhalten, und noch schwieriger, wann man ihr Territorium verletzt.

Ein guter Tipp: Im Allgemeinen wissen die Bewohner der jeweiligen Gegend am besten Bescheid, und man sollte sie konsultieren, bevor man zu einem erfrischenden Bad in einen Fluss oder See springt. Der natürliche Feind der Piranhas ist der Kaiman - wo sich Kaimane aufhalten, sind die Piranhas weniger vertreten. Aber das hilft Ihnen wenig, denn sicher trauen Sie den Kaimanen als Badegenossen auch nicht über den Weg - oder?

"NINHAL"
Hierbei handelt es sich meist um einen riesigen Verbund von ausladenden Bäumen, auf denen die verschieden- sten Arten von Wasservögeln ihre Nester gebaut haben - man nennt diese Wohngemeinschaften auch "Vivei- ros" (etwa: Lebensgemeinschaften). Sie finden sich als Baumgruppen, in der Regel am Rand von Lagunen, Seen und Flussufern, in und an deren Wasser die einzelnen Bewohner reichlich Nahrung finden. Eine solche Wohngemeinschaft hat verschiedene Vorteile für die einzelnen Mitglieder: zum Beispiel den der grösseren Chance vor Beutejägern gewarnt zu werden und so zu überleben. Der Streit um die tägliche Nahrung am Wasser hält sich in Grenzen, denn an den für die Wohngemeinschaft ausgesuchten Stellen ist Nahrung während der gesamten Brutzeit reichlich vorhanden.

"PIRACEMA" - die Schonzeit der Fische
Die Periode zwischen Oktober und März, wenn die Fische gegen den Strom schwimmen, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen und sich fortzupflanzen, nennt man in Brasilien "Piracema". Die ungestörte Entfaltung dieses Phänomens ist auch von grundsätzlicher Bedeutung für den bekannten Fischreichtum der Flüsse und Seen des Pantanal. Die Regierungen von Mato Grosso und von Mato Grosso do Sul, vertreten durch ihre "Polícia Florestal" (Naturschutz-Polizei), sowie die Landesregierung in Brasília, vertreten durch die IBAMA (Umweltschutz-Behörde), machen zusammen die grössten Anstrengungen, nicht nur die Fischerei in diesen besonderen Monaten vollkommen zu unterbinden, sondern die Fischerei - sowohl die der Amateure, wie die der Professionellen - Regeln und Kontrollen zu unterwerfen, die zum Wohl des zukünftigen Fischbestandes festgelegt wurden.