Chapada dos Guimarães

Nach 70 km von Cuiabá, auf der asphaltierten Strasse MT-251, erreicht man das kleine Städtchen "Chapada dos Guimarães" (etwa 17.000 Einwohner) im Gebirge gleichen Namens. Auf einer Höhe von 811 Meter über dem Meeresspiegel ist hier das Klima während des ganzen Jahres recht angenehm frisch - ein willkommener Fluchtpunkt auch für die Cuiabanos, deren Hauptstadt zu den heissesten Städten Brasiliens zählt - im wörtlichen Sinn. Das Städtchen hier oben ist liebenswert - besonders auch seine freundlichen Bewohner. Und ruhig ist es hier zwischen den kleinen, oft Jahrhunderte alten Adobe-Häuschen am Rand der mit Kopfsteinen gepflasterten Gässchen. Rustikale Fenster und Portale, wie man sie seit langem nicht mehr gesehen hat. Besonders bemerkenswert ist die antike Dorfkirche "Nossa Senhora de Santana do Sacramento" von 1779, die in kolonial-barockem Stil von Sklaven erbaut wurde.


Schon lange vor der Gründung des Städtchens, im Jahr 1751 - mit dem Auftrag an die lokalen Missionare, die aufsässigen Indianer aus verschiedenen Nationen dort anzusiedeln und zu bekehren, damit sie die Kolonisatoren nicht mehr an der Ausbeutung der Goldminen hinderten - bewirtschafteten die Siedler mit ihren Sklaven bereits Zuckerrohr-Pflanzungen und produzierten "Cachaça", sowie Lebensmittel für die Bevölkerung von Cuiabá und die umliegenden Minen-Gebiete. 

Chapada dos Guimarães liegt am Rand des "Parque Nacional de Chapada" - einer nationalen Zone für Naturschutz, die ein Universum an Wasserfällen, Höhlen, Gipfeln mit herrlichen Aussichten, von Wind und Wetter geformten Felsengebilden und vor allem, auch eine interessante Flora und Fauna, bereit hält. Wanderungen durch die bezaubernde Landschaft überraschen durch ihren Eindruck der Unberührtheit. Der beherrschende "Cerrado" gibt der Landschaft, mit seinen verwundenen Bäumen, eine unnachahmliche Architektur - Blumen in exotischen Farben und Früchte, wo man sie nicht vermutet, enthüllen seine Grosszügigkeit.

Die Natur präsentiert in der Chapada dos Guimarães eine wahre Show der Transformationen. Am Anfang, ganz am Anfang vor 500 Millionen Jahren, war hier alles von einer dicken Eiskruste bedeckt. Später, ziemlich später, drang das Meer ein - dann kam die Wüste - und danach wurde alles zu Weide für die Dinosaurier. Aber in jüngerer Zeit, so vor 15 Millionen Jahren, warf sich der ehemalige Meeresboden auf und es entstand die Chapada - mit immensen Arenit-Felsen, die den Himmel zu berühren scheinen, und über denen lachsfarbene, rote, gelbe und grünschimmernde Wolken dahinsegeln - eine fast surreale Landschaft wurde hier geschaffen. Der "Cerrado" bedeckt den ehemaligen Meeresboden, auf dem man noch heute versteinerte Muscheln entdeckt - und die in den Felsen gegrabenen Bewegungen der Wellen.

Hier spricht man viel über die Kräfte der Natur, über Gott und andere Götter und über das Jenseits. Heilkräuter spriessen aus dem groben Boden und Diamanten findet man allenthalben im Gestein.

Ausgekuppelte Autos fahren hier den Berg hinauf, anstatt zurückzurollen und stellen alle Regeln der Schwerkraft auf den Kopf. Esoteriker meinen, dass dieses Phänomen den magnetischen Kräften zuzuschreiben ist. Ungläubige wollen es mit einer "optischen Täuschung" erklären. Hier in der Chapada hört man immer zuerst jene Nachrichten von UFO's und den Begegnungen mit Ausserirdischen. Der Mystizismus herrscht, wo Erklärungen nicht greifen und bringt das Klima der neuen Ära in den "Cerrado", der schon mal von Eis bedeckt war, dann Meer wurde und Wüste, Tal der Dinosaurier und jetzt - "Zen".

Gegründet 1989, umfasst der "Nationalpark von Chapada dos Guimarães" eine Fläche von 33.000 Hektar, innerhalb derer sich einmalig schöne Landschaften, mehr als 50 archäologische Fundstätten mit Felsmalereien und prähistorischen Fossilien, eine grosse Konzentration von Heilpflanzen und Ökosysteme von grossem wissenschaftlichen Wert befinden. Leicht zu beobachten sind: Hirsche, Wildschweine, Mähnenwölfe, Gürteltiere, Aras, Tukane, Papageien und verschiedene Sittich-Arten.

"Véu da Noiva, Independência, Andorinhas, 19 de Novembro, Pedra Furada, Sete de Setembro, Cachoeirinha, Salgadeira" und Dutzende von anderen Wasserfällen reinigen sogar die Seele dessen, dem das Stadtleben alle Poren verstopft hat. Transparente Wasserkaskaden formen natürliche Bassins, die sich in kleinen Flüssen ins Tal ergiessen, in denen man wunderbar baden und schwimmen kann - dicht an der Seite von kleinen Fischschwärmen, die sich an uns "Grossen" nicht stören.

Der "Nationalpark von Chapada dos Guimarães" ist täglich zwischen 08:00 und 17:00 Uhr geöffnet - der Eintritt beträgt rund 2,00 Euro. Grundsätzlich wird empfohlen, sich einem akkreditierten Führer anzuvertrauen, zumal einige Sehenswürdigkeiten nur mit einem solchen zugänglich sind! Beste Besuchszeiten sind zwischen August und November - zwischen Juni und August (Winter) können Nebel die Sicht behindern. Und in der Regenzeit - Dezember bis April ist abzuraten. Natürlich fahren Sie am besten mit unserem, auf ihre Wünsche abgestimmten Routing, dann ist der akkreditierte und von uns ausgesuchte Führer sowieso inbegriffen!

Copyright 1998 - 2008 by sabiá-brasilinfo
Alle Rechte vorbehalten! Fotos, Texte oder Teile davon dürfen ohne vorhergehende schriftliche Einwilligung von uns nicht vervielfältigt, kopiert oder veröffentlicht werden! Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt.


Weiter: Vegetationsformen | Klima | Fauna | Tourismus | Küche | Geschichte | Cuiaba | Chapada