Minas Gerais

Gold und Diamanten brachten im 18. Jahrhundert den Reichtum, heute bestimmt Eisenerz das wirtschaftliche Leben im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Ouro Preto, Mariana, Sabará, Cogonhas do Campo oder São João del Rei waren die wohlhabenden Städte in der Vergangenheit, seit 1897 ist Belo Horizonte Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum der Region. Vor zweihundert Jahren erreichte die barocke Baukunst in Minas Gerais ihren Höhepunkt, heute beherrschen gerade Linien die moderne Architektur der großen Städte. Und trotzdem: Etwa siebzig Prozente aller historischen Gebäude Brasiliens befinden sich in Minas Gerais. In der gebirgigen Landschaft haben viele kleine Städte zweihundert Jahre lang ihren Charakter fast unverfälscht erhalten und bilden eines der wichtigsten Zentren barocker Kunst und Kultur auf der Welt.

Ouro Preto, 100 km von Belo Horizonte entfernt, war das Zentrum des Goldfiebers im 18. Jahrhundert. Der einstige märchenhafte Reichtum schuf eine barocke Bilderbuchstadt und geblieben sind 5 Museen, 13 auf Hügeln errichtete Kirchen, bildschöne Gassen, Plätze sowie koloniale Landhäuser. Aufgrund seiner großen historischen Schätze erklärte die UNESCO Ouro Preto zu einem Weltkulturerbe. Im Zentrum liegt die Praça Tiradentes mit dem mächtigen Museu da lnconfidencia. Hier befinden sich Stücke, die an Tiradentes (Zahnzieher) erinnern, der berühmt wurde, weil er eine Revolte gegen die portugiesische Krone anführte. Das unheilvolle Ende ist in diesem Museum dokumentiert, in dem sich auch einige Werke des genialen barocken Künstlers Antonio Francisco Lisboa, auch als Aleijadinho (Krüppelchen) bekannt, befinden. Sehenswert hierzu ist die Carmo-Kirche und Nossa Senhora do Pilar. Hinter der schlichten Fassade der Nossa Senhora do Pilar verbergen sich vergoldete Wände mit pausbackigen Heiligen und Engeln. Für die prunkvolle Kirche wurden über 400 kg Gold und Silber verarbeitet. Eher schlicht wirkt dagegen die Santa Efigenia dos Pretos. Als eines der Meisterwerke Aleijadinhos und gleichzeitig eines der wichtigsten Werke der kolonialen Architektur Brasiliens gilt die Igreja de São Francisco de Assis. Die gesamte Fassade wurde von Aleijadinho aus Stein gehauen, die Malereien an den Wänden und Decken stammen von einem langjährigen Partner, Manuel da Costa Ataide. Eine weitere bemerkenswerte Kirche ist die Conceião de Antonio Dias, wo sich das Grab Aleijadinhos befindet. Im Museum Casa dos Contos sind Goldmünzen und eine Gießerei ausgestellt. Gleich in der Nähe liegt die Fachschule für Bergbau, deren Museum die größte Sammlung der Welt an wertvollen Steinen, Erzen und Kristallen enthält. Weitere wichtige historische Gebäude sind das Teatro Municipal aus dem Jahre 1769 und die Häuser des Tomás Antonio Gonzaga und des Tiradentes. In den Läden um den Praça Tiradentes kann man Kunsthandwerk aus Ton, Holz oder Gold, Silber und Edelsteinen erwerben.

Mariana liegt etwa 12 km von Ouro Preto entfernt. Sie war die erste Hauptstadt der Region und erster Bischofssitz in Minas Gerais. Sehenswert sind die stattliche Kirche Matriz da Assuncao da Nossa Senhora und die Kathedrale da Sé, die zu den ältesten Kirchen in Minas Gerais gehören. Im Museum Casa Capitular befinden sich viele barocke Gemälde und Skulpturen. Empfehlenswert sind auch die Kirchen der Laienorden der Franziskaner und Karmeliter und die reizvolle Casa de Camara e Cadeia (Stadtverwaltung und Gefängnis) mit einer schönen Freitreppe. In den Gassen von Mariana kann man Brunnen, Kreuzwegstationen und alte Villen bewundern.

Congonhas do Campo liegt etwa 75 km südlich von Belo Horizonte und hat weitere größere Meisterwerke Aleijadinhos. Vor der Basilika do Bom Jesus de Matosinhos stehen die zwölf lebensgroßen Propheten. Die aus Speckstein gehauenen Figuren schuf Aleijadinho als alter und kranker Mann. Ebenfalls von ihm und seinen Assistenten sind die Holzfiguren, welche die Leidensgeschichte Christi darstellen. Die 64 bemalten Figuren sind in sechs kleinen Kapellen aufgestellt.

São João del Rei ist von Belo Horizonte 190 km entfernt. Die alte Goldgräberstadt, gelegen zwischen zwei Gebirgszügen, hat einen sehenswerten Altstadtkern mit Kirchen, Museen und prachtvollen Villen. Sehenswert sind die lgreja do Carmo, die Catedral de Nossa Senhora do Pilar und die schönste der insgesamt sieben Kirchen der Stadt, die Sao Francisco de Assis. Sie gilt als die größte architektonische Leistung Aleijadinhos. Im lnneren der Kirche gibt es bemerkenswerte Figuren und feine Holzarbeiten zu sehen. Als das beste Museum Minas Gerais gilt das Museu de Arte Region do Patrimonio Historico. In einer schönen Villa untergebracht, zeigt es auf zwei Etagen sakrale Kunst, die dritte Etage ist Handwerks- und Gebrauchsgegenständen vorbehalten. Im Bahnhof von São João befindet sich das Museu Ferroviário.

Der schöne Ort Tiradentes liegt von São João del Rei 13 km entfernt und kann mit einem Zug von São João erreicht werden. Zu den Sehenswürdigkeiten des Bergörtchens zählen eine der schönsten Kirchen Brasiliens, die lgreja de Santo Antonio, und das Museu do Padre Toledo, das Stilmöbel und sakrale Kunst ausstellt. In den Läden von Tiradentes kann man Antiquitäten, Holzarbeiten und Silberschmuck erstehen.

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